MS und Kinderwunsch

MS und Kinderwunsch

Register DMSKW

Kinderwunsch

Projektbeschreibung

  • Warum ein Register?

    Die MS ist die häufigste entzündliche ZNS Erkrankung des jungen Erwachsenenalters. Während man früher Frauen mit MS von eigenen Kindern abgeraten hat, ist die Erkrankung heute kein genereller Hinderungsgrund mehr für eine Schwangerschaft. Neue Herausforderungen liegen in der richtigen Beratung hinsichtlich der immunmodulatorischen Therapien in Zusammenhang mit der Familienplanung. Obwohl die meisten immunmodulatorischen Therapien in Schwangerschaft und Stillzeit nicht zugelassen sind, treten Schwangerschaften regelmäßig auch unter Therapie auf. Weitere Fragen ergeben sich nach der Schwangerschaft: Stillen ja oder nein, dem optimalen Stillinterval oder der erneuten Therapieaufnahme.

    Da Schwangerschaften selbst in großen Praxen oder Kliniken jedoch nur als „Einzelfälle“ auftreten, erscheint aus der praktischen Erfahrung der Aufbau eines MS und Kinderwunschregisters mit Bearbeitung verschiedener Schwerpunkte sinnvoll.

  • Wie funktioniert das Register?

    Das DMSKW ist eine reine Beobachtungsstudie und beeinflusst nicht die Therapie, die Ihr behandelnder Arzt verordnet.

    Das Register besteht schon seit 2006 und wurde von Prof. Dr. Kerstin Hellwig, Oberärztin am Katholischen Klinikum St. Josef Hospital in Bochum (Dir. Prof. Dr. Ralf Gold) gegründet. Die Teilnehmer werden sowohl über die Deutsche Multiple Sklerose-Gesellschaft (DMSG), als auch über unsere eigene neuroimmunologische Ambulanz sowie durch zuweisende Kollegen bundesweit und zum Teil auch im deutschsprachigen Ausland rekrutiert. Bislang wurden mehr als 2.500 Schwangerschaften von Frauen mit MS in der Datenbank dokumentiert, jährlich kommen ca. weitere 400 Schwangerschaften hinzu.

    Zur Datenerhebung werden Telefoninterviews einmal in jedem Drittel der Schwangerschaft, in den Monaten 2, 6 und 12 nach der Entbindung sowie danach einmal jährlich bis zum 6. Lebensjahr des Kindes durchgeführt.

    Es werden Daten zu Ihrer Krankenanamnese, zum Krankheits-, Schwangerschaft- und Geburtsverlauf sowie zum Gesundheitszustand und zur Entwicklung des Kindes erfragt.

    Ziel ist die Anlage einer zentralen Datenbank mit Schaffung einer Datengrundlage, die es ermöglicht, sowohl Sie als Patient als auch Ihre behandelnden Ärzte hinsichtlich der Sicherheit der verschiedenen krankheitsspezifischen Medikationen bei bestehendem Kinderwunsch (sowohl bei Frauen, als auch bei Männern) zu beraten.

    Die für das Register benötigten Informationen gehen nicht über das hinaus, was routinemäßig während einer Schwangerschaft erfasst wird, und es sind keine zusätzlichen Untersuchungen oder Vorstellungstermine notwendig.

    Alle Daten werden pseudonymisiert ausgewertet. Ihr Name wird durch eine Zahlenkombination ersetzt und erscheint weder in Veröffentlichungen noch werden Sie bei der Zusammenarbeit mit Forschungsgruppen im In- und Ausland namentlich genannt.

  • Wer kann teilnehmen?

    Alle schwangeren Frauen oder Frauen, die kurzfristig in den nächsten 2-3 Monaten schwanger werden wollen und an einer der folgenden Erkrankungen leiden:

    • Multiple Sklerose oder klinisch isoliertes Syndrom
    • Neuromyelitis Optica Spektrum Erkrankungen

    Alle Frauen mit MS, die in den nächsten 12 Monaten eine Schwangerschaft planen.

    Alle Frauen mit MS, die eine reproduktionsmedizinische Behandlung planen oder sich derzeit in einer befinden.

  • Zusatzstudien

    Neben der Registerarbeit sind in der letzten Zeit Zusatzstudien, auch mit Kooperationspartnern entstanden, die insbesondere mechanistische Zusammenhänge weiter klären sollen:

    • i. ‚Stillt‘ Muttermilch auch die postpartale Schub- und Kernspinaktivität?

      StillenEine kernspintomographisch kontrollierte Zusatzuntersuchung in Bochum:

      Der Zweck dieser klinischen Prüfung ist es festzustellen, ob ausschließliches Stillen, Teilstillen oder Nichtstillen einen Einfluss auf die Krankheitsaktivität nach der Geburt von Frauen mit multipler Sklerose hat. Neben klinischen Daten (Schübe), sollen kernspintomographische Verlaufsuntersuchungen (insgesamt 2 im ersten Jahr nach der Geburt) zeigen, ob es einen Unterschied in der Anzahl Kontrastmittel aufnehmender Läsionen und/oder Entwicklung neuer T2 Läsionen zwischen den verschiedenen Gruppen gibt.

      Dafür werden in einem 3 Tesla Kernspingerät 2 Untersucuhngen im ersten Jahr nach der Geburt des Kindes durchgeführt.

      Termine und Kontaktaufnahme über: kerstin.hellwig@klinikum-bochum.de

    • ii. Kooperationstudie Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf

      Das Thema Schwangerschaft ist für viele MS Patientinnen mit einer Reihe von Fragen verbunden, z.B. im Hinblick auf immunmodulierende Therapien, und oft auch Ungewissheiten bzgl der Herausforderungen der Elternschaft. Vielleicht weniger bekannt ist dass Schwangerschaft im Hinblick auf die Krankheitsaktivität und Schubrisiko einen sehr positiven Effekt hat. Eine erste grossangelegte Studie mit rund 300 schwangeren MS Patientinnen in den 90er Jahren zeigte dass in der Schwangerschaft, insbesondere während der letzten drei Monate, das Risiko einen Schub zu erleiden um 80% im Vergleich zu vor der Schwangerschaft sinkt. Dieser Effekte ist damit stärker als jedes der z.Zt. für MS zugelassenen Medikamente! Dies wurde mittlerweile in einer Reihe weiterer Studien bestätigt. Allerdings ist die Schutzfunktion nicht von Dauer: In den ersten 6 Monaten nach Entbindung steigt nämlich das Schubrisiko wieder an, temporär sogar über das Niveau vor der Schwangerschaft. Trotz dieser starken klinischen Befundlage ist über die biologischen Mechanismen, die zu diesen Veränderungen der Schubrate führen, wenig bekannt.

      Wissenschaftler vermuten dass das Immunsystem seine Funktion verändern muss um eine komplikationsfreie Schwangerschaft zu gewährleisten: Da das Kind nur zur Hälfte die genetischen Eigenschaften der Mutter trägt, würde es sonst zu einer “Abstossung” des Fötus kommen, ähnlich wie sie bei Organtransplantationen vorkommen kann. Die genauen Prozesse sind nicht verstanden, es ist aber aufällig dass nicht alle autoimmunen Erkrankungen während der Schwangerschaft besser werden. Patientinnen mit einer anderen Autoimmunerkrankung, dem Lupus erythematodes  z.B. haben in dieser Zeit ein erhöhtes Schubrisiko. Von daher scheint es sich nicht um eine allgemeine Hemmung der Immunfunktion zu handeln, die ja auch im Hinblick auf die Gesundheit der Mutter und damit auch des Kindes z.B. bei der Abwehr von Infektionen nicht günstig wäre. Somit dienen die Veränderungen im Immunsystem vermutlich in erster Linie der erfolgreichen Entwicklung des Kindes und sind eher als “Nebenwirkung” für Patientinnen mit MS auch günstig für einen vorübergehend abgeschwächten Krankheitsverlauf. Gerade dieser “Nebeneffekt” kann allerdings Wissenschaftlern darüber Aufschluss geben, welche Mechanismen für die Entstehung eines MS Schubes verantwortlich sind und wie man auf sie evtl. gezielt therapeutisch einwirken könnte. Erste Versuche, wie man den “Schwangerschaftseffekt” medikamentös nachahmen könnte, sind in den USA bereits erfolgreich angelaufen. So konnte etwa in einer kleinen Studie an der Universtiät von Kalifornien in Los Angeles die Gabe des Schwangerschaftshormons Oestriol die Zahl von Läsionen im Kernspin, die Kontrastmittel speichern bei von MS Patientinnen vermindern. Noch wissen wir allerdings zu wenig über die genauen Mechanismen im Immunsystem die während der Schwangerschaft wirken. Daher führen Wissenschaftler und Aerzte am Institut für Neuroimmunologie und Klinische MS-Forschung (inims) der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (UKE) zur Zeit eine Studie zu Veränderungen im Immunsystem während der Schwangerschaft durch.

      Diese Studie hat zum Ziel, sowohl die schützenden Effekte der Schwangerschaft bei MS-Patientinnen besser zu verstehen, sowie Aufschluss darüber zu bekommen welche biologischen Prozesse das erhöhte Risiko von MS Schüben nach der Schwangerschaft verursachen könnten. Die Studie ist in ein umfassendes medizinischen Betreuungsangebot eingebettet, an dem sowohl die Fachärzte der Neurologischen Klinik als auch der Geburtshilflichen Abteilung des UKE beteiligt sind. Hier können nicht nur Fragen bzg.l Immuntherapien, Stillen usw. kompetent beantwortet werden sondern durch die enge medizinische Betreuung auch schnell auf einen eventuellen Schub nach der Geburt reagiert werden.

      Im Rahmen der Studie werden die Patientinnen gebeten zu vier Zeitpunkten in die Universität Hamburg zu einer Untersuchung zu kommen: Zwischen der 8. und 10. Schwangerschaftswoche (SSW), der 22. und der 24. SSW, der 32.-34. SSW, sowie 3 Monate nach der Geburt. Jeder dieser Termine wird in etwa zweieinhalb Stunden in Anspruch nehmen. Neben einer Blutprobe wird eine umfassende neurologische Untersuchung durchgeführt. Außerdem sollen Testungen der Gedächtnisleistung und Merkfähigkeit sowie Fragebögen zum Befinden ausgefüllt werden.

      Patientinnen die sich für eine Teilnahme an der Studie interessieren können sich im UKE in der MS-Ambulanz 040-7410-54076 oder über multiplesklerose@uke.de.

      Fragen zur Teilnahmemöglichkeit in Bochum über kerstin.hellwig@klinikum-bochum.de.

    • iii. MS-Kinder

      Methylprednisolon ist ein künstliches Stresshormon und die derzeitige Standardtherapie zur Behandlung eines Schubes bei Multipler Sklerose. Diese Therapie wird auch während der Schwangerschaft eingesetzt. Sie wird derzeit als relativ ungefährlich eingeschätzt. Es gibt jedoch ernstzunehmende Hinweise, dass andere küstliche Stresshormone wie z.B. das in der der Geburtsmedizin zur Beschleunigung der Lungenreife bei drohender Frühgeburt einge setzte Betamethason zu neuropsychiatrischen Störungen führen kann. Hierzu gehören Verhaltensauffälligkeiten, eine erhöhte Stressempfindlichkeit und eine veränderte geistige Entwicklung des Kindes im späteren Leben. Ob Methylprednisolon zur Schubbehandlung einer Multiplen Sklerose während der Schwangerschaft ähnliche Effekte auf das ungeborene Kind im späteren Leben hat, ist derzeit unklar.

      Das Ziel der vorliegenden Studie ist es daher, die Frage zu klären, inwieweit die Behandlung eines MS-Schubes mit Methylprednisolon während der Schwangerschaft Auswirkungen auf die Stressempfindlichkeit und das Nervensystem sowie die geistige Entwicklung von Kindern hat.

      Aus diesem Grund suchen wir Kinder zwischen 8 und 18 Jahren, deren Mütter Methylprednisolon zur Behandlung eines Schubes während der Schwangerschaft erhielten und die bereit sind, an verschiedenen Intelligenz-, Aufmerksamkeits-, und Stress-Tests, einer körperlichen Untersuchung (inklusive Blutentnahme) sowie einer Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns teizunehmen. Die Ergebnisse der Studie werden dazu beitragen, die Folgen erhöhter Stresshormonspiegel im Mutterleib besser erkennen und behandeln zu können.

      Kinder und Mütter, die sich für eine Teilnahme an dieser Studie interessieren, können Sich über kerstin.hellwig@klinikum-bochum.de melden.

  • Förderung

    Das DMSKW wird gefördert durch den Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschusses und wird von Almirall Hermal GmbH, Bayer Vital GmbH, Biogen GmbH Germany, Merck Serono GmbH, Novartis Pharma GmbH, Roche Deutschland GmbH, Sanofi Genzyme und Teva GmbH unterstützt.

    Durch die Unterstützung wird keine Einflussnahme auf die Datenerhebung oder Auswertung erwirkt. Die Arbeit des Registers, welches in den letzten Jahren sehr groß geworden ist, ist nur durch diese Unterstützung möglich.

    Die Vorgaben der Verhaltensempfehlungen für die Zusammenarbeit der pharmazeutischen Industrie mit Ärzten und der FSA Kodex werden jederzeit beachtet.