MS und Kinderwunsch

MS und Kinderwunsch

Register DMSKW

Kinderwunsch

Allgemeine Informationen

  • Fruchtbarkeit

    BefruchtungDie Fruchtbarkeit (Fertilität) von Männern und Frauen mit MS ist per se nicht eingeschränkt5. Dennoch sind MS Patientinnen häufiger kinderlos oder haben weniger Kinder als gesunde Frauen. Ob dies aber eine biologische Ursache hat ist bisher nicht bekannt. Untersuchungen zeigen, dass es bei unbehandelten Frauen und Patientinnen mit einer hohen Krankheitsaktivität eher zu Abweichungen in der Menge an Sexualhormonen kommen kann. Nach jetzigem Wissensstand wird die Fruchtbarkeit von keiner MS-Therapie, außer von Mitoxantron, beeinflusst. Insbesondere Frauen, die älter sind als 35 Jahre, sollten nach einer Mitoxantronbehandlung über ein permanentes Ausbleiben der Menstruationsblutung (Amenorrhö) und damit über die Möglichkeit der Unfruchtbarkeit informiert sein.

    Eine Abschwächung der Wirkung oraler Kontrazeptiva ("Pille") sind für die zugelassenen MS Therapien nicht bekannt. Einzig das Auftreten von Diarrhoen als Nebenwirkung der Therapie mit Tecfidera® kann zu einer verminderten oder aufgehobenen Wirksamkeit der Pille führen.

    Ob eine Wechselwirkung von Mavenclad® mit oralen Kontrazeptiva ("Pille") bestehen könnte, wird derzeit in einer Interaktionsstudie untersucht. Potentielle Studienteilnehmer dürfen zuvor noch kein Mavenclad® erhalten haben, die Einstellung ist mit einem Krankenhausaufenthalt verbunden. Sollten Sie Interesse haben an dieser bezahlten, allerdings sehr aufwendigen Untersuchung teilzunehmen, melden Sie sich bitte per E-Mail bei PD Dr. Hellwig.

  • Vererbbarkeit

    Trotz intensiver Forschungsarbeiten ist es bisher nicht gelungen, die Ursache der MS vollständig aufzuklären. Derzeit wird davon ausgegangen, dass sowohl genetische Faktoren als auch verschiedene Umwelteinflüsse eine Rolle spielen.

    Die MS ist somit keine klassische Erbkrankheit. Das Risiko an einer MS zu erkranken liegt in der Allgemeinbevölkerung in Deutschland bei ca. 0,1-0,2 %. Bei 20 % der MS Patienten kommt es zu einer familiären Häufung der Erkrankung, wobei das Erkrankungsrisiko vom Verwandtschaftsgrad abhängig ist. Tritt die Erkrankung bei einer Person des ersten Verwandtschaftsgrades auf, so ist das Risiko an MS zu erkranken um 3 %, bei entfernteren Verwandtschaftsgraden um 1 % erhöht. Dabei hat die Vererbung der MS von mütterlicher oder väterlicher Seite keinen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko. Zwillingsstudien haben gezeigt, dass bei eineiigen Zwillingen das Erkrankungsrisiko bei 25 % liegt, wenn ein Zwilling erkrankt ist. Bei zweieiigen Zwillingen und Geschwistern liegt das Risiko bei 5 %. Eine rein genetische Vererbung der MS kann somit aufgrund des relativ geringen Erkrankungsrisikos bei eineiigen Zwillingen nahezu ausgeschlossen werden.

  • Unerfüllter Kinderwunsch

    KinderwunschExistierende Studien zeigen, dass durch Kinderwunschbehandlungen (Reproduktionsmedizin) Schübe ausgelöst werden können18-20.

    Dabei erleiden, sollte eine Stimulation erfolglos sein und keine Schwangerschaft eintreten, bis zu 35 % der Frauen Schübe, wenn die MS Therapie schon vor der Behandlung abgesetzt oder nie begonnen wurde. Wird eine Frau nach einer Stimulationstherapie schwanger ist das Schubrisiko minimal.

    Bislang werden am ehesten GnRH-Agonisten (Medikamente, die die Produktion der Fruchtbarkeitshormone FSH und LH anregen) als Schubauslöser diskutiert, sodass eventuell GnRH-Antagonisten (Medikamente, die die Ausschüttung der Fruchtbarkeitshormone FSH und LH hemmen) bevorzugt werden sollten. Die Datenlage ist allerdings nicht so eindeutig, dass nicht auch GnRH-Agonisten eingesetzt werden könnten, wenn der Reproduktionsmediziner dies als bessere Therapie für eine Schwangerschaft erachtet. Für alle anderen Hormone gibt es keinen Hinweis darauf, dass eine bestimmte Therapie bevorzugt eingesetzt werden sollte. Sie können die Therapie wählen, die von ihrem Reproduktionsmediziner vorgeschlagen wird.

    Zum Schutz vor Schüben raten wir Frauen in der Regel ihre MS Therapie während der Stimulation beizubehalten und diese abzusetzen, wenn der Schwangerschaftstest positiv ist. Dies gilt für alle Medikamente außer Teriflunomid (Aubagio®) und Fingolimod (Gilenya®). Eine Behandlung mit Cladribin (Mavenclad®) sollte sechs Monate zurückliegen, bevor eine Stimulationsbehandlung begonnen wird. Das genaue Vorgehen sollte mit dem behandelnden Neurologen besprochen werden.

  • Schwangerschaft

    SchwangerschaftDie Empfehlung, mit einer MS Erkrankung nicht schwanger zu werden oder alle MS Therapien viele Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abzusetzen, ist schon lange veraltet.

    In mehreren Studien mit unbehandelten Patientinnen konnte belegt werden, dass das Schubrisiko im Verlauf der Schwangerschaft abnimmt, es nach der Entbindung jedoch wieder zu einem Schubanstieg kommt. Ob dies auch für Frauen gilt, die unter einer MS Therapie schwanger geworden sind oder die Therapie erst kurz vor Eintritt einer Schwangerschaft abgesetzt haben, ist bisher nicht untersucht. Unsere Erfahrungen zeigen, dass das Schubrisiko in der Schwangerschaft umso höher ist, je höher die Krankheitsaktivität zuvor war. Insbesondere wenn stärker wirksame MS Therapien abgesetzt werden können in der Schwangerschaft Schübe auftreten. Die Höhe des Risikos im Einzelnen ist nicht bekannt. Daher sollte eine Schwangerschaft, insbesondere bei hochaktiver MS, nach Rücksprache mit dem behandelnden Neurologen geplant werden.

    In jedem Fall sollten Frauen mit MS, wie gesunde Frauen auch, bereits während der Planung einer Schwangerschaft Folsäure einnehmen.

  • Geburt

    Die Schwangerschaftsverläufe von Frauen mit MS und gesunden Frauen sind ähnlich. Einschränkungen für die Geburt sollten sich durch die MS nicht ergeben. Der Schubanstieg nach der Geburt ist unabhängig von der Art der Entbindung. Somit gilt: kein Kaiserschnitt nur wegen MS!

    Frauen, die an einer MS erkrankt sind, müssen nicht auf eine Periduralanästhesie (PDA) verzichten, da eine PDA nicht den Schubanstieg nach der Entbindung beeinflusst. Es kann ebenfalls sowohl eine Spinalanästhesie als auch eine Vollnarkose bei einem Kaiserschnitt gegeben werden.

    Eine erhöhte Rate an Kaiserschnitten ist beschrieben, diese liegt aber nur wenig über dem Durchschnitt gesunder Frauen, ohne einen Anstieg an sonstigen Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen bei Frauen mit MS. Dies bedeutet konkret, dass Frauen mit einer MS entbinden können, wie sie möchten, und die Anästhesie ihrer Wahl bekommen können, ohne dass das Schubrisiko davon beeinflusst wird.

  • Nach der Geburt

    Stillen oder nicht Stillen?

    Muttermilch ist die beste Ernährung für ein Baby, daher empfiehlt die WHO 4-6 Monate ausschließlich zu stillen und dann sukzessive Beikost einzuführen. In der Regel können Frauen mit leichter bis moderater Krankheitsaktivität stillen, wenn sie möchten.

    Stillen hat keinen negativen Effekt auf die Schubrate, wobei ein positiver Effekt nur von einem Teil der Studien belegt werden konnte. Ausschließliches Stillen für mindestens 2 Monate kann das Schubrisiko eventuell moderat senken. Wenn die Beikost eingeführt wird, ist das Schubrisiko deutlich niedriger als direkt nach der Geburt. Es gibt keine allgemeinen Empfehlungen, wie schnell nach dem Stillen wieder mit der MS Therapie begonnen werden soll. Wir würden in der Regel empfehlen innerhalb des ersten Lebensjahres sukzessive abzustillen.

    Die meisten Frauen, die gerne stillen möchten, sollten daher in Ihrem Vorhaben unterstützt werden.

    Frauen, die nicht stillen möchten oder eine hohe Krankheitsaktivität in und vor der Schwangerschaft aufwiesen, ist eine zügige Wiederaufnahme der MS Therapie in den ersten zwei Wochen nach der Geburt zu empfehlen. Es gibt erste Hinweise darauf, dass der frühe Wiederbeginn der Therapie mit Natalizumab (Tysabri®) oder Fingolimod (Gilenya®) die Schubrate senken kann.

    Sollten Schübe in der Stillzeit auftreten, können diese mit hochdosierten Steroiden behandelt werden, eine Stillpause von 1 bis maximal 4 Stunden wird empfohlen. In manchen Fällen wird eine Behandlung mit intravenösen Immunglobulinen empfohlen. Unter dieser Therapie kann gestillt werden.

    In Deutschland ist derzeit kein MS Medikament uneingeschränkt zur Anwendung in der Stillzeit zugelassen. Da auch nur wenige Daten existieren, in welchem Maße Säuglinge von diesen Medikamenten während der Stillzeit beeinflusst werden, müssen sich viele Frauen zwischen dem Stillen und einer MS Therapie entscheiden.

    Einige MS Medikamente gelangen jedoch wahrscheinlich erst gar nicht in die Muttermilch und wieder andere überwinden zwar die Blut-Milch-Schranke, haben aber keinen negativen Effekt auf den Säugling. Die Entscheidung unter eine MS Therapie zu stillen, sollte nur nach intensiver Risiko-Nutzen-Abwägung unter Berücksichtigung des potentiellen Risikos für den Säugling und dem Risiko eines schweren Schubes erfolgen. In Einzelfällen kann erwogen werden unter der Therapie mit Interferon-beta oder Copaxone® zu stillen, da es sich um große Wirkstoffe handelt, die wahrscheinlich nicht in größerem Umfang in die Muttermilch übergehen können und ohnehin in der Magen-Darm Passage des Säuglings zerstört würden. Diese Entscheidung muss mit dem behandelnden Neurologen besprochen werden.

    Erste Auswertungen aus dem DMSKW von 76 Säuglingen zeigen eine altersentsprechende Entwicklung bezüglich Größe, Gewicht und Kopfumfang, wenn die Mütter unter Interferon-beta oder Copaxone® gestillt haben.

    Eine Woche nach der letzten Einnahme von Mavenclad® kann auf Grund der kurzen Halbwertszeit weiter gestillt werden.

    Monoklonale Antikörper wie Tysabri®, Lemtrada® oder Ocrevus® gehen in geringem Umfang in die Milch über. Die Wahrscheinlichkeit der Aufnahme von monoklonalen Antikörpern aus dem Magen-Darm-Trakt des Säuglings ist gering, aber nicht vollkommen ausgeschlossen.

    Sollten Sie aktualisierte Informationen zum Thema Stillen und Antikörpertherapien benötigen, schreiben Sie uns eine E-Mail

  • Männer mit MS

    Männer müssen die gängigen MS Medikamente in der Regel vor einer geplanten Zeugung nicht absetzen. Eine Ausnahme stellen die Medikamente Mitoxantron und Cladribin (Mavenclad®) dar. Es wird MS Patienten beider Geschlechter empfohlen, die Therapie mindestens 6 Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abzusetzen.

    Männer sollten über die Möglichkeit der Aufbewahrung von Spermien durch Einfrieren (Kryokonservierung) vor der Behandlung mit Mitoxantron aufgeklärt werden (leider keine Übernahme der Krankenversicherung; die Kosten liegen bei ca. 300 Euro/Jahr).

  • Sicherheitsdaten in Schwangerschaft und Stillzeit

    MedikationDie gängigen MS Medikamente sind in der Schwangerschaft und Stillzeit gar nicht oder nur eingeschränkt zugelassen. Die aktuell verfügbaren Daten aus Tierversuchen und Beobachtungen am Menschen zur Anwendung der wichtigsten MS Therapien und Schubtherapeutika in Schwangerschaft und Stillzeit werden im Folgenden besprochen:

    • Beta-Interferone

      Schwangerschaft

      In frühen Tierversuchen zeigte Interferon-beta keine negativen Eigenschaften in Bezug auf Fehlbildungen oder Wachstumsverzögerungen bei den Jungtieren. In sehr hohen Dosierungen kam es im Tierversuch jedoch gehäuft zu Fehlgeburten, weshalb dies als mögliches Risiko in der Gebrauchsinformation erwähnt wird.

      Weltweit wurden bisher Daten zu mehr als 2.000 Interferon-beta exponierten Schwangerschaften veröffentlicht. In einer systematischen Untersuchung konnte belegt werden, dass eine Anwendung bis zum Bekanntwerden der Schwangerschaft weder mit einem erhöhten Risiko für Fehlbildungen noch für Fehlgeburten einhergeht. Einige Studien mit kleiner Fallzahl fanden ein leicht (ca. 200 g) geringeres Geburtsgewicht. In unseren eigenen Daten sehen wir jedoch keinen Hinweis darauf, dass das Geburtsgewicht oder die Geburtslänge von Kindern, deren Mütter erst mit dem positiven Schwangerschaftstest die Interferonmedikation abgesetzt haben, niedriger ist als das Geburtsgewicht und –länge von Kindern, deren Mütter in der gesamten Schwangerschaft keine MS Medikamente erhalten haben.

      Zur Anwendung von Interferon-beta auch im zweiten und dritten Trimenon der Schwangerschaft gibt es bisher nur sehr wenige Daten. Eine Studie berichtet von sieben Patientinnen, die über das erste Trimenon hinaus mit IFN-β behandelt wurden, ohne Auffälligkeiten im Schwangerschaftsausgang.

      Stillzeit

      Interferon-beta gelangt nur zu einem winzigen Bruchteil in die Muttermilch (0,006% der mütterlichen Dosis). Erste Auswertungen aus unserem Register mit 43 Frauen, die während der Stillzeit eine Interferon-beta Therapie erhalten haben, geben keinen Hinweis darauf, dass Interferon-beta die Entwicklung des Säuglings negativ beeinflusst.

      Empfehlngen

      Die Interferonmedikation sollte in der Regel mit positivem Schwangerschaftstest abgesetzt werden.

      In Einzelfällen, z.B. wenn in einer vorherigen Schwangerschaft nach Absetzen der Interferonmedikation Schübe aufgetreten sind, kann überlegt werden die Medikation in der Schwangerschaft und Stillzeit weiterzuführen oder auch wieder in der Stillzeit zu beginnen.

      Bitte besprechen Sie sich in jedem Fall mit Ihrem behandelnden Neurologen.

    • Glatriameracetat/Copaxone® oder Clift®

      Schwangerschaft

      Für Copaxone® (GLAT) steht mit mehreren tausend weltweit veröffentlichten exponierten Schwangerschaften der größte Datensatz zur Verfügung. Die Auswertung dieser Daten, darunter 150 Schwangerschaften aus dem Deutschen Multiple Sklerose und Kinderwunschregister, zeigten keinen negativen Effekt auf den Schwangerschaftsverlauf oder Schwangerschaftsausgang, wenn Frauen unter GLAT schwanger werden.

      Kürzlich wurden Daten von ca. 200 Frauen, die mit GLAT während der gesamten Schwangerschaft therapiert wurden vorgestellt, ohne dass es zu vermehrten Komplikationen oder negativen Schwangerschaftsausgängen gekommen wäre.

      Stillzeit

      Leider gibt es bisher keine Untersuchungen dazu, ob GLAT in die Muttermilch gelangt. Aufgrund der Moleküleigenschaften ist ein Übergang in die Muttermilch jedoch sehr unwahrscheinlich. Erste Auswertungen aus unserem Register mit 27 Frauen, die während der Stillzeit GLAT erhalten haben, geben keinen Hinweis darauf, dass GLAT die Entwicklung des Säuglings negativ beeinflusst.

      Empfehlungen

      Diese Ergebnisse zusammengefasst ist eine Therapie mit GLAT bis zum Eintritt der Schwangerschaft sicher, ein Fortführen der Therapie auch nach Bekanntwerden der Schwangerschaft oder ein Wiederbeginn während der Stillzeit kann nach Risiko-Nutzen-Abwägung und Rücksprache mit dem behandelnden Neurologen erwogen werden.

    • Natalizumab/Tysabri®

      Schwangerschaft

      Zur Anwendung von Tysabri® sowohl zu Beginn der Tragezeit als auch durch die gesamte Tragezeit wurden einige Tierversuche durchgeführt. Tysabri® erhöhte das Risiko für Fehlgeburten, nicht aber das Risiko für Fehlbildungen. Bei Fortführen der Therapie durch die gesamte Tragezeit traten bei den Jungtieren Veränderungen im Blutbild auf, die jedoch nach Ausscheidung von Tysabri® aus dem Organismus wieder rückgängig waren.

      Bisher wurden weltweit Daten zu ca. 500 Tysabri® exponierten Schwangerschaften veröffentlicht. Im firmeneigenen Schwangerschaftsregister wiesen 5,05 % der Säuglinge große Fehlbildungen auf, ohne Auftreten eines Fehlbildungsmusters (Gehäuftes Auftreten spezifischer Fehlbildungen eines bestimmten Organs). In unseren Daten aus dem DMSKW konnte ebenfalls kein erhöhtes Risiko verglichen mit gesunden und erkrankten Kontrollen nach Tysabri® Therapie im ersten Trimenon beobachtet werden (Fehlbildungsrate 3,9 %).

      Italienische Kollegen beobachteten eine gering erhöht Fehlgeburtenrate (21,4 %) im Vergleich zu einer Kontrollgruppe (8 %), und auch in unseren eigenen Daten konnten wir eine höhere Fehlgeburtenrate (17,4 %) und ein geringeres Geburtsgewicht im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe (8 %) beobachten, nicht jedoch im Vergleich zu einer MS erkrankten Kontrollgruppe (21,1 %). Unsere gesunde Kontrollgruppe bestand aus Frauen mit verstärkter Schwangerschaftsübelkeit, die in der Regel weniger Fehlgeburten aufweisen als die Normalbevölkerung. Es ist anzunehmen, dass der statistische Unterschied dadurch zustande kam.

      Die EMA (Europäische Arzneimittel Agentur zur Beurteilung und Überwachung von Arzneimitteln) bewertet die Daten so, dass bei einer Anwendung von Tysabri® in der Frühschwangerschaft kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen vorliegt. Dies wäre auch biologisch plausibel, da aufgrund der Moleküleigenschaften ein Übertritt über die Plazenta im ersten Drittel der Schwangerschaft sehr unwahrscheinlich ist.

      In einer Fallserie mit 40 Frauen, die aufgrund einer hochaktiven MS Tysabri® auch noch während der Schwangerschaft erhalten haben, konnten wir beobachten, dass bei den Kindern Blutbildauffälligkeiten wie Verminderung der roten Blutkörperchen (Anämien) oder Verminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenien) auftreten. Diese Auffälligkeiten waren jedoch im Mittel innerhalb von 4 Wochen nicht mehr nachweisbar und nur eines der Kinder benötigte eine Therapie mit Eisentropfen. Ein Vermehrtes Auftreten von anderweitigen Komplikationen wie Fehlbildungen oder Fehlgeburten konnten wir ebenfalls nicht beobachten und auch wenige weitere Fallberichte geben keinen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für negative Schwangerschaftsausgänge, wenn die Tysabri® Therapie durch die gesamte Schwangerschaft weitergeführt wird.

      Wird eine Therapie mit Tysabri® unterbrochen, so besteht das Risiko der Wiederkehr der Krankheitsaktivität, gelegentlich können schwere Rebound-Schübe nach 3-6 Monaten auftreten. Bei ca. 15 % der Frauen, die vor der Schwangerschaft mit Tysabri® behandelt wurden, kommt es zu einer deutlichen Verschlechterung und Zunahme der Behinderung, die im Alltag relevant sein kann.

      Stillzeit

      Es ist bekannt, dass Tysabri® in die Muttermilch übergeht, allerdings in deutlich geringeren Konzentrationen als im Blut der Mutter. Die Wahrscheinlichkeit der Aufnahme von Tysabri® über den Magen-Darm-Trakt des Säuglings ist gering, aber nicht vollkommen ausgeschlossen. Bisher gibt es nur einen veröffentlichten Fallbericht einer Tysabri® Exposition während der Stillzeit. In unserem Register stillen bislang wenige Frauen. Erfreulicherweise wurden keine negativen Effekte beim Säugling beobachtet.

      Empfehlungen

      Tysabri® sollte nicht ohne Alternativtherapie vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden. Sollte keine Alternativtherapie in zur Anwendung kommen, raten wir in der Regel, nach intensiver Risiko-Nutzen-Abwägung, Tysabri® erst mit Bekanntwerden einer Schwangerschaft abzusetzen. Bei sehr hoher Krankheitsaktivität oder zuvor bereits aufgetretenen Rebound-Schüben, sollte eine Therapie mit Tysabri® auch durch die Schwangerschaft erwogen werden. Dies sollte allerdings nur in erfahrenen Zentren stattfinden. Die Infusionsintervalle sollten dann auf 7-8 Wochen gestreckt werden. Wann die letzte Infusion gegeben wird, muss mit dem Neurologen besprochen werden. Gibt man die letzte Infusion um die 30. Schwangerschaftswoche, erleiden immer noch 25 % der Frauen einen Schub nach der Geburt, auch wenn Tysabri® in den ersten beiden Wochen nach der Geburt wieder begonnen wird. Gibt man die letzte Infusion um die 34. Schwangerschaftswoche, und beginnt in den ersten beiden Wochen nach der Geburt wieder, ist die Schubgefahr auch nach der Geburt geringer, es treten jedoch mehr Blutbildauffälligkeiten bei den Kindern auf (bis zu 65 %).

      Die Geburt sollte in jedem Fall in einem Krankenhaus mit angeschlossener Kinderklinik erfolgen und folgende Blutwerte aus dem Nabelschnurblut kontrolliert werden: LDH, Bilirubin, Haptoglobin und ein großes Blutbild. Sollte es bei dieser Untersuchung zu Auffälligkeiten gekommen sein, so müssen die Werte bis zur Normalisierung weiter kontrolliert werden. Wenn Sie an unserem Schwangerschaftsregister teilnehmen und während der Schwangerschaft mit Tysabri® therapiert werden, senden wir Ihnen einen Brief zu, den Sie mit in die Entbindungsklinik nehmen können, um alle beteiligten Ärzte zu informieren.

      In jedem Fall sollten Sie sich mit Ihrem behandelnden Neurologen über das individuelle Vorgehen beraten.

    • Fingolimod/Gilenya®

      Schwangerschaft

      In Tierversuchen wurden unter Gilenya® sowohl vermehrt Fehlgeburten als auch Fehlbildungen beobachtet.

      Es liegen bereits Daten zu mehreren hundert Schwangerschaften vor. Die meisten Neugeborenen von Müttern, die unter Gilenya® schwanger wurden, waren bei der Geburt gesund.

      Die Fehlgeburtsrate war nicht erhöht. Im Schwangerschaftsregister lag die Rate an Fehlbildungen bei knapp 6 % (bei circa 130 dokumentierten Schwangerschaften) ohne ein bestimmtes Muster an Fehlbildungen, sodass die abschließende Beurteilung des Risikos noch nicht möglich ist. Gilenya® scheint kein starkes fruchtschädigendes Medikament beim Menschen zu sein, ein kleines Risiko ist jedoch mit der vorliegenden Fallzahl noch nicht sicher auszuschließen.

      Daten zur Anwendung von Gilenya® über das erste Drittel der Schwangerschaft hinaus sind kaum verfügbar. Es wurden bisher weniger als 20 Fälle beschrieben.

      Stillzeit

      Aufgrund der Moleküleigenschaften ist es sehr wahrscheinlich, dass Gilenya® in die Muttermilch gelangt. In Tierversuchen wurde in der Milch eine bis zu dreimal höhere Gilenya® Konzentration gemessen als im Blut der Tiere.

      Empfehlungen

      Vor Therapiebeginn mit Gilenya® muss bei Frauen im gebärfähigen Alter ein negativer Schwangerschaftstest vorliegen und die Anwendung von effektiven Verhütungsmethoden sollte während der gesamten Therapiedauer gegeben sein.

      Da ein fruchtschädigendes (teratogenes) Risiko für die Anwendung von Gilenya® in den ersten Wochen der Schwangerschaft noch nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, sollte die Therapie 2 Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden. Tritt dennoch eine Schwangerschaft unter Gilenya® ein, muss die Therapie beendet werden. Eine intensivierte Ultraschalldiagnostik ist in diesem Fall vorsorglich angeraten.

      Selten kommt es zu einer deutlichen Zunahme der Krankheitsaktivität bei Frauen, die unter Gilenya® schwanger geworden sind. Gelegentlich können die Schübe nach dem Absetzen schwer verlaufen und mit Behinderungen einhergehen. Daher sollte eine Schwangerschaft sorgfältig geplant werden. Nach der Geburt kann mit Gilenya® weiter therapiert werden. Erste Daten geben Hinweise auf einen möglichen Nutzen hinsichtlich weniger Schübe bei frühem Wiederbeginn nach der Geburt.

      Unter Gilenya® sollte nicht gestillt werden, da die Aufnahme des Arzneistoffs über die Muttermilch für den Säugling sehr wahrscheinlich ist.

      Um das Risiko der Anwendung von Gilenya® in der Schwangerschaft in Zukunft besser beurteilen zu können, werden diese wichtigen Daten in einem weltweiten Register zentral gesammelt. Für Deutschland geschieht dies ebenfalls über das DMSKW. Sollte eine Schwangerschaft weniger als 2 Monate nach der letzten Einnahme von Gilenya® oder während der Therapie eintreten, würden wir uns über eine Kontaktaufnahme sehr freuen.

    • Dimethylfumarat/Tecfidera®

      Schwangerschaft

      Tierversuche geben keinen Hinweis auf fruchtschädigende Risiken. Ein verringertes Gewicht der Jungtiere bei Geburt, Verknöcherunsstörungen und vermehrte Fehlgeburten traten nur in Dosierungen auf, die auch für das Muttertier giftig waren.

      Circa 300 Schwangerschaften unter Tecfidera® oder Fumaderm® dokumentierten kein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten oder Fehlbildungen. Eine Wechselwirkung mit der Pille (oralen Kontrazeptiva) besteht nicht. Allerdings sollte bei Diarrhoen als Nebenwirkung der Therapie auf eine verminderte oder aufgehobene Wirksamkeit der Pille geachtet werden.

      Fallberichte zur Anwendung von Tecfidera® auch über das erste Trimenon hinaus existieren nicht.

      Stillzeit

      Bisher ist es nicht bekannt, ob Tecfidera® in die Muttermilch übergeht. Die Moleküleigenschaften sprechen teilweise dafür und teilweise dagegen und in Tierversuchen wurde diese Fragestellung nicht ausreichend untersucht.

      Empfehlungen

      Tecfidera® wird sehr schnell aus dem Körper ausgeschieden, daher sollte es mit dem Versuch schwanger zu werden abgesetzt werden oder spätestens bei Vorliegen eines positiven Schwangerschaftstests. Das Weiterführen der Therapie während der Schwangerschaft oder der Stillzeit wird nicht empfohlen.

      Um das Risiko der Anwendung von Tecfidera® in der Schwangerschaft in Zukunft besser beurteilen zu können, werden diese wichtigen Daten in einem weltweiten Register zentral gesammelt. Für Deutschland geschieht dies ebenfalls über das DMSKW. Sollte eine Schwangerschaft während der Therapie mit Tecfidera® eintreten, würden wir uns über eine Kontaktaufnahme sehr freuen.

    • Teriflunomid/Aubagio®

      Schwangerschaft

      Teriflunomid ist eng verwandt mit dem Arzneistoff Leflunomid, das zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis angewandt wird. Da Leflunomid im Körper zu Teriflunomid umgewandelt wird, lassen auch Untersuchungen an Leflunomid Rückschlüsse zum Risikopotential von Teriflunomid zu.

      Obwohl beide Arzneistoffe im Tierversuch fruchtschädigend (teratogen) waren, wurden unter 70 Schwangerschaften aus den Zulassungsstudien von MS Patienten unter Aubagio® keine Fehlbildungen dokumentiert. Nach der Markteinführung wurden Daten zu weiteren 138 Schwangerschaften veröffentlicht, mit einer Fehlbildungsrate von circa 3 %, wie sie auch in der Normalbevölkerung zu erwarten ist. Und auch unter den über 150 bisher unter Leflunomid aufgetretenen Schwangerschaften lässt sich kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko erkennen.

      Aubagio® scheint kein starkes fruchtschädigendes Medikament beim Menschen zu sein, ein kleines Risiko ist jedoch mit der vorliegenden Fallzahl noch nicht sicher auszuschließen.

      Aussagekräftige Daten zu einer Aubagio® Therapie auch nach Bekanntwerden einer Schwangerschaft liegen derzeit nicht vor.

      Stillzeit

      Der Übergang von Aubagio® in die Milch von Ratten wurde nachgewiesen. Untersuchungen am Menschen liegen zu dieser Fragestellung leider nicht vor. Aufgrund der Moleküleigenschaften ist ein Übergang jedoch wahrscheinlich.

      Empfehlungen

      Frauen, die mit Aubagio® behandelt werden, müssen unter der Therapie effektive Verhütungsmaßnahmen anwenden. Frauen, die schwanger werden möchten, sollten Aubagio® absetzen und ein Verfahren zur beschleunigten Elimination durchführen, bis eine Konzentration von unter 0,02 mg/l im Blut erreicht wird. Aubagio® verbleibt sehr lange im Körper. Wird kein Verfahren zur beschleunigten Elimination angewandt, dauert es durchschnittlich 8 Monate, in Einzelfällen sogar bis zu 2 Jahre, bis Aubagio® aus dem Körper ausgeschieden ist. Daher sollten die Blutkonzentrationen von Aubagio® gemessen werden, bevor eine Frau versucht schwanger zu werden. Wenn festgestellt wurde, dass eine Konzentration von unter 0,02 mg/l erreicht wurde, muss die Messung nach einem Zeitraum von mindestens 14 Tagen erneut erfolgen. Wenn die Konzentrationen bei beiden Messungen unter 0,02 mg/l liegen, ist kein Risiko für den Fötus zu erwarten. Dabei ist zu beachten, dass bei gleichzeitiger Anwendung eines Verfahrens zur beschleunigten Elimination und oraler Kontrazeptiva (Pille) eine zuverlässige Verhütung nicht gewährleistet werden kann. Daher wird die Anwendung alternativer Verhütungsmethoden empfohlen. Tritt eine ungeplante Schwangerschaft unter Aubagio® ein, ist die Therapie sofort zu beenden und ebenso eine beschleunigte Elimination durchzuführen. Eine intensivierte Ultraschalldiagnostik ist in diesem Fall vorsorglich angeraten.

      Unter Aubagio® darf nicht gestillt werden, da eine Aufnahme des Arzneistoffs durch den Säugling wahrscheinlich ist.

      Um das Risiko der Anwendung von Aubagio® in der Schwangerschaft in Zukunft besser beurteilen zu können, werden diese wichtigen Daten in einem weltweiten Register zentral gesammelt. Für Deutschland geschieht dies ebenfalls über das DMSKW. Sollte eine Schwangerschaft während der Therapie mit Aubagio® oder bevor eine Blutkonzentration von unter 0,02 mg/l erreicht wurde eintreten, würden wir uns über eine Kontaktaufnahme sehr freuen.

    • Alemtuzumab/Lemtrada®

      Schwangerschaft

      Mit Lemtrada® wurden Tierversuche sowohl zur Anwendung zu Beginn der Tragezeit als auch durch die gesamte Tragezeit durchgeführt. Es wurde ein leichter Anstieg an Fehlgeburten beobachtet. Bei Weiterführen der Therapie durch die gesamte Tragezeit konnte der Transfer von Lemtrada® über die Plazenta zum Feten nachgewiesen werden. Dies führte zu Veränderungen in der Lymphozytenzahl bei den Jungtieren.

      200 Schwangerschaften bei Frauen, die zuvor mit Lemtrada® behandelt wurden, zeigten bislang einen normalen Verlauf. Allerdings sind nur wenige dieser Schwangerschaften innerhalb der ersten 4 Monate nach einem Lemtrada® Zyklus eingetreten.

      Fallberichte, in denen Lemtrada® noch nach dem 1. Trimenon verabreicht wurde, existieren bisher keine.

      Frauen, die mit Lemtrada® behandelt wurden, zeigen in unserem Register bislang eine sehr gute Kontrolle der Krankheitsaktivität in der Schwangerschaft und auch nach der Geburt. Nach der Geburt erlitten nur ca. 10 % der Frauen einen Schub.

      Stillzeit

      In Tierversuchen ging Lemtrada® in die Milch über und konnte auch in den gesäugten Jungtieren nachgewiesen werden. Es ist wahrscheinlich, dass Lemtrada®, wie andere strukturverwandte Arzneistoffe zum Beispiel Tysabri®, in die Muttermilch übergeht.

      Empfehlungen

      Da Lemtrada® ab dem 2. Trimenon und im weiteren Verlauf der Schwangerschaft zunehmend die Plazentaschranke passiert, sollte zu Beginn jedes Lemtrada® Zyklus ein negativer Schwangerschaftstest vorliegen.

      Effektive Verhütungsmaßnahmen sollten bis zu 4 Monate nach dem letzten Zyklus angewandt werden, allerdings ist der Arzneistoff nach 30 Tagen nicht mehr im Blut nachweisbar.

      Tritt dennoch eine Schwangerschaft während der Lemtrada® Therapie ein, so muss beim Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt die Abnahme eines großen Blutbildes und die Bestimmung der Lymphozytenzahl erfolgen. Eine anhaltende verminderte Lymphozytenzahl hätte die eventuelle Konsequenz, dass Impfungen verschoben werden müssen.

      Zur besseren Beurteilung des Therapieeffektes sollten beide Therapiezyklen abgeschlossen sein, bevor eine Schwangerschaft geplant wird.

      Mit Lemtrada® behandelte Frauen sollten während der Gabe eines Zyklus und bis zu vier Monate danach nicht stillen. Allerdings ist es bekannt, dass Lemtrada® nach 30 Tagen aus dem Körper ausgeschieden ist und demnach auch nicht mehr in der Muttermilch sein kann.

      Schon in der Planungsphase und dann auch während der Schwangerschaft muss die Funktion der Schilddrüse regelmäßig kontrolliert (alle 4 Wochen in der Schwangerschaft bei bekannten Schilddrüsenerkankungen) werden. Schilddrüsenüber- und unterfunktionen, die durch die Behandlung entstehen können, sollten gut eingestellt werden. Bei sogenannten Antikörper-vermittelten sekundären Autoimmunerkrankungen, die nach der Therapie mit Lemtrada® entstehen können, könnten pathogene (d.h. krankmachende) Antikörper auch auf den Feten übertragen werden. Das bedeutet nicht, dass das Baby an einer sekundären Autoimmunerkrankung leiden wird, sondern dass eventuell in den ersten Wochen nach der Geburt Symptome der Erkrankung bei dem Neugeborenen zu beobachten sein können. Alle Begleiterkrankungen der Mutter sollten dem Gynäkologen und ggf. auch dem Kinderarzt bekannt sein.

      Um das Risiko der Anwendung von Lemtrada® in der Schwangerschaft in Zukunft besser beurteilen zu können, werden diese wichtigen Daten in einem weltweiten Register zentral gesammelt. Für Deutschland geschieht dies ebenfalls über das DMSKW. Sollte eine Schwangerschaft während der Therapie mit Lemtrada® oder weniger als 4 Monate nach dem letzten Zyklus eintreten, würden wir uns über eine Kontaktaufnahme sehr freuen.

    • Ocrelizumab/Ocrevus®

      Schwangerschaft

      Tierexperimentelle Studien gaben keinen Hinweis auf ein fruchtschädigendes (teratogenes) Potential nach Behandlung mit Ocrevus®, jedoch wurde ein Fehlen von B-Zellen (B-Zell-Depletion) bei den Jungtieren nachgewiesen und es traten bei einem Vielfachen der Standarddosierung unterschiedliche Auffälligkeiten verschiedener Organe auf.

      Bisher wurden Daten zu 68 Schwangerschaften unter Ocrevus® bei MS Patienten veröffentlicht, von 22 Schwangerschaften, die weniger als 3 Monate nach der letzten Ocrevus® Infusion eintraten, ist der Ausgang bekannt. Die meisten Schwangerschaften wurden elektiv beendet, 8 Kinder kamen gesund zur Welt. 1 Kind wurde mit einer Trisomie 21 geboren. Daten zu der Anzahl an B-Zellen bei Säuglingen existieren bisher nicht, allerdings wurde bereits von nicht nachweisbaren B-Zellen und einer verminderten Lymphozytenzahl bei Säuglingen berichtet, deren Mütter während der Schwangerschaften ähnlichen Arzneistoffen (z.B. Rituximab) ausgesetzt waren.

      Stillzeit

      Es ist nicht bekannt, ob Ocrevus® beim Menschen in die Muttermilch übergeht, der Übergang in die Milch wurde jedoch in tierexperimentellen Studien nachgewiesen. Es ist daher anzunehmen, dass Ocrevus® die Blut-Mich-Schranke überwinden kann, zumal dieses bereits für andere Strukturverwandte Arzneistoffe wie Rituximab oder Tysabri® nachgewiesen wurde. Bisher wurde ein Fall veröffentlicht, in dem eine Frau während der Stillzeit Ocrevus® erhielt. Die Anzahl der B-Zellen des gestillten Säuglings waren im Alter von einem Monat leicht vermindert, normalisierten sich jedoch innerhalb einer Woche wieder.

      Empfehlungen

      Aufgrund der geringen Datenlage ist das Risiko einer Ocrevus® Therapie während der Frühschwangerschaft oder Stillzeit noch nicht vollständig abzuschätzen. Die offizielle Empfehlung der Fachinformation lautet, dass Frauen im gebärfähigen Alter während der Behandlung und bis zu 12 Monate danach effektive Verhütungsmaßnahmen anwenden und auf das Stillen verzichten sollten. Auf der anderen Seite ist Ocrevus® nach 4 Monaten aus dem Körper ausgeschieden und der Übergang zum Feten ist im ersten Drittel der Schwangerschaft unwahrscheinlich. Da mit dem Aussetzen der Behandlung jedoch das theoretische Risiko einen Schub zu erleiden steigen kann, kann im Einzelfall bei Patientinnen mit hochaktiver Krankheitsaktivität in Betracht gezogen werden, eine Schwangerschaft kürzer als 12 Monate nach dem letzten Therapiezyklus zu planen. Dies muss individuell mit dem behandelnden Neurologen besprochen werden. Wir gehen aktuell davon aus, obwohl noch nicht genügend aussagekräftige Daten zur Verfügung stehen, dass noch ein gewisser Schutz besteht, auch wenn die Therapie mit Ocrevus® nicht weitergeführt wird. Allerdgins ist noch unklar, wie lange dieser Schutz anhält und ob er auch nach der Geburt besteht. Zur aktuellen Datenlage können Sie mit uns Kontakt aufnehmen.

      Wird Ocrevus® in der Schwangerschaft gegeben, so muss beim Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt die Abnahme eines großen Blutbildes und die Bestimmung der B-Lymphozytenzahl aus dem Nabelschnurblut erfolgen. Eine anhaltende verminderte B-Lymphozytenzahl hätte die eventuelle Konsequenz, dass Impfungen verschoben werden müssen.

      Um das Risiko der Anwendung von Ocrevus® in der Schwangerschaft in Zukunft besser beurteilen zu können, werden diese wichtigen Daten in einem weltweiten Register zentral gesammelt. Für Deutschland geschieht dies ebenfalls über das DMSKW. Sollte eine Schwangerschaft während oder nach der Therapie mit Ocrevus® eintreten, freuen wir uns über eine Kontaktaufnahme.

    • Rituximab/MabThera®, Truxima® oder Rixathon®

      Schwangerschaft

      Rituximab ist offiziell nicht zur Behandlung der MS zugelassen. Aufgrund fehlender Therapieoptionen zur Behandlung aggressiver Krankheitsverläufe wird es jedoch im Sinne einer Off-label Therapie angewandt.

      In Tierversuchen zeigte sich, dass Rituximab zwar keine fruchtschädigende (teratogene) Wirkung hat, die Anzahl der B-Lymphozyten bei den Jungtieren jedoch verringert war. Dies hatte eine Unterdrückung bestimmter Prozesse des Immunsystems zur Folge, war aber innerhalb der ersten 6 Monate wieder rückgängig.

      Es wurden bisher ca. 100 Schwangerschaften dokumentiert, die unter Rituximab eingetreten sind, meistens innerhalb der letzten 12 Monate nach der letzten Rituximab Gabe, ohne Auffälligkeiten in Bezug auf Fehlbildungen oder Fehlgeburten. Allerdings wurde Rituximab bei Frauen mit verschiedenen Erkrankungen angewandt (Blutkrebs, oder andere Autoimmunerkankungen), so dass ein direkter Vergleich mit der MS unzulässig erscheint.

      20 Frauen haben Rituximab auch während der Schwangerschaft erhalten, einige sogar im zweiten und dritten Trimenon der Schwangerschaft. In 12 % der Fälle wurde eine verminderte Anzahl der B-Lymphozyten beim Neugeborenen beobachtet.

      Stillzeit

      Tierversuche belegen, dass Rituximab in die Milch übergeht, wenn auch in sehr geringen Dosen. Beim Menschen ist ein Fall bekannt, in dem ebenfalls nur ein Bruchteil (1/240tel) der mütterlichen Rituximab Konzentration in die Milch übergegangen ist.

      Empfehlungen

      Laut Empfehlungen der Fachinformation sollen Patientinnen, die mit Rituximab behandelt werden, bis zu 12 Monate nach Therapieende effektive Verhütungsmaßnahmen anwenden. Mit Absetzen der Behandlung steigt jedoch das Risiko einen Schub zu erleiden, daher kann im Einzelfall bei Patientinnen mit hochaktiver Krankheitsaktivität in Betracht gezogen werden, eine Schwangerschaft wenige Wochen nach dem letzten Therapiezyklus zu planen. Dieses Vorgehen muss mit dem behandelnden Neurologen besprochen werden. Tritt eine Schwangerschaft unter Rituximab ein, so muss beim Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt die Abnahme eines großen Blutbildes und die Bestimmung der B-Lymphozytenzahl aus dem Nabelschnurblut erfolgen. Eine anhaltende verminderte B-Lymphozytenzahl hätte die eventuelle Konsequenz, dass Impfungen verschoben werden müssen.

    • Cladribin (Mavenclad®)

      Schwangerschaft

      Mavenclad® ist ein potentiell genotoxisches Medikament. Das bedeutet, dass kurzfristige genetische Veränderungen auftreten können, die in der Regel zu einem Untergang der Zelle führen aber im Falle einer Schwangerschaft theoretisch auch zu Fruchtschädigung führen können. Mavenclad® hat eine sehr kurze Halbwertszeit und ist nach wenigen Tagen nach der letzten Einnahme aus dem Körper ausgeschieden. Durch die deutlich länger anhaltende Wirksamkeit könnte sich ein theoretischer Vorteil für die Planung einer Schwangerschaft 6 Monate nach der letzten Einnahme und anhaltende Wirksamkeit ergeben. Allerdings liegen diese Daten noch nicht vor und man weiß nicht wie viele Frauen während und nach der Schwangerschaft schubfrei bleiben.

      Im Tierversuch erwies sich Mavenclad® als fehlgeburtsbegünstigend (embryoletal) und fruchschädigend (teratogen). Dabei traten Fehlbildungen nicht nur auf, wenn das Muttertier Mavenclad® erhielt, sondern auch wenn ausschließlich die männlichen Tiere mit Mavenclad® behandelt wurden.

      In den klinischen Zulassungsstudien sind nur wenige Schwangerschaften aufgetreten, von denen die meisten elektiv beendet wurden. Die Fehlgeburtenrate entsprach der in der Normalbevölkerung zu erwartenden Fehlgeburtenrate. 3 Kinder wurden gesund geboren. Es traten keine Fehlbildungen auf.

      Des weiteren wurde von 10 Schwangerschaften berichtet, bei denen der Vater zuvor Mavenclad® erhalten hatte. 9 Kinder wurden gesund geboren, bei einer Schwangerschaft ist der Ausgang nicht bekannt.

      Frauen, die systemisch wirkende hormonelle Kontrazeptiva (Pille, Dreimonatsspritze, Vaginalring, Hormonpflaster, Verhütungsstäbchen) anwenden, sollten während der Behandlung mit Mavenclad® sowie für mindestens 4 Wochen nach der letzten Dosis eines jeden Behandlungsjahres zusätzlich eine Barrieremethode anwenden.

      Ob eine Wechselwirkung mit oralen Kontrazeptiva ("Pille") bestehen könnte, wird derzeit in einer Interaktionsstudie untersucht. Sollten Sie Interesse haben, an dieser bezahlten, allerdings sehr aufwendigen Untersuchung teilzunehmen, melden Sie sich bitte per Email bei PD Dr. Hellwig.

      Stillzeit

      Ebenfalls ist es nicht bekannt, ob Mavenclad® in die Muttermilch übergeht. Auf Grund der Moleküleigenschaften ist der Übergang in die Milch jedoch wahrscheinlich.

      Empfehlungen

      Vor Therapiebeginn eines jeden Therapiezyklus muss bei Frauen im gebärfähigen Alter ein negativer Schwangerschaftstest vorliegen. Da Mavenclad® in die DNA-Synthese eingreift, sind unerwünschte Wirkungen auf die Keimzellentstehung (Gametogenese) beim Menschen zu erwarten. Daher müssen Frauen im gebärfähigen Alter während der Behandlung mit Mavenclad® und mindestens 6 Monate nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden, um eine Schwangerschaft zu verhindern.

      Wenden Sie sich umgehend an ihren behandelnden Arzt, falls dennoch eine Schwangerschaft während der Behandlung oder innerhalb von 6 Monaten nach der letzten Tablette aufgetreten ist, damit eine angemessene Beratung stattfinden kann.

      Wird während eines Behandlungszyklus eine Schwangerschaft bemerkt, muss die Behandlung gestoppt werden.

      Während eines Behandlungszyklus mit Mavenclad® darf nicht gestillt werden. Auf Grund der kurzen Halbwertszeit ist das Stillen 1 Woche nach der letzten Dosis wieder möglich, zuvor jedoch kontraindiziert.

      Männliche Patienten müssen während der Behandlung mit Mavenclad® sowie für mindestens 6 Monate nach der letzten Dosis Vorkehrungen treffen, damit bei ihrer Partnerin keine Schwangerschaft eintritt.

      Um das Risiko der Anwendung von Mavenclad® für das ungeborene Kind in Zukunft besser beurteilen zu können, werden diese wichtigen Daten in einem weltweiten Register zentral gesammelt. Für Deutschland geschieht dies ebenfalls über das DMSKW. Sollte eine Schwangerschaft nach einer Therapie mit Mavenclad® eintreten, würden wir uns über eine Kontaktaufnahme sehr freuen. Auch Männer, die ein Kind nach einer Therapie mit Mavenclad® gezeugt haben (auch nach der Zeit von 6 Monaten), können sich gerne bei uns melden.

    • Mitoxantron

      Mitoxantron ist ein Immunsuppressivum mit genotoxischem Potential. Das bedeutet, dass Mitoxantron Änderungen im genetischen Material verursachen kann. Die Anwendung während der Schwangerschaft ist absolut kontraindiziert, da sowohl Tierversuche als auch Fallberichte einzelner Schwangerschaften auf ein fruchtschädigendes (teratogenes) Potential hinweisen.

      Vor der Behandlung mit Mitoxantron muss bei Frauen im gebärfähigen Alter ein negativer Schwangerschaftstest vorliegen und es sind über die gesamte Therapiedauer effektive Verhütungsmaßnahmen anzuwenden. MS Patienten beider Geschlechter wird empfohlen, die Therapie mindestens 6 Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abzusetzen.

      Es ist bekannt, dass unter Mitoxantron die Menstruation dauerhaft ausbleiben kann (Amenorrhoe), vor allem bei Frauen, die älter sind als 35 Jahre. Momentan wird untersucht, ob die Herabregulation der Sexualhormone mit GnRH Agonisten, analog zu Lupus- bzw. Leukämie-/Lyphompatientinnen, einen positiven protektiven Einfluss auf die Funktion der Eierstöcke (Ovarfunktion) haben kann. Ergebnisse liegen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vor.

    • Kortikosteroide/Kortison

      Tritt ein Schub in der Schwangerschaft auf (bei etwa 25 % der Patienten), kann man bei einer schweren Symptomatik nach dem ersten Trimenon wie gewohnt hochdosiert mit Kortison behandeln.

      Bevorzugt eingesetzt werden sollte Prednisolon, das im Gegensatz zu Dexamethason nur zu ca. 10 % plazentagängig ist.

      Da im Tierversuch und zum Teil auch beim Menschen das Risiko einer Kiefer-Lippen-Gaumen Spaltbildung nicht ausgeschlossen ist, und Steroide als „schwache Teratogene“ diskutiert werden, sollte man zwischen der 8. und 11. Gestationswoche mit einer Kortisontherapie zurückhaltend sein. In der Regel wird nur ein Kortisonpuls in der Schwangerschaft erforderlich sein, es kann jedoch insbesondere bei Mehrfachbehandlungen mit Steroiden zur intrauterinen Wachstumsretardierung (IUGR), zur Frühgeburt sowie zur vorübergehenden Hypoglykämie, Hypotonie und Elektrolytstörungen beim Neugeborenen kommen. Sollte in seltenen Fällen eine Glukokortikoidtherapie bis kurz vor der Geburt notwendig sein, ist auf eine mögliche Nebenniereninsuffizienz des Neugeborenen zu achten.

      Ein sogenannter Magenschutz mit Protonenpumpenhemmern und niedermolekukare Heparine zur Thromboseprophylaxe können gegeben werden.

      Zusammenfassend können und sollten schwere Schübe während der Schwangerschaft mit Kortison behandelt werden, die Indikation für eine Schubtherapie sollte jedoch streng gestellt werden, insbesondere im ersten Trimenon.

    • Plasmaaustauschverfahren

      Eine Alternative zur Behandlung aufgetretener Schübe in der Schwangerschaft und Stillzeit können Plasmaaustauschverfahren sein, insbesondere wenn eine vorherige Kortisontherapie nicht angeschlagen hat. Eine Fallserie mit 24 Patientinnen, von denen 20 eine Tryptophan-Immunadsorption während der Schwangerschaft und 4 während der Stillzeit erhalten haben, gibt keinen Hinweis auf ein potentielles Risiko für das ungeborene Kind oder den gestillten Säugling. In 83 % der Fälle kam es zu einer schnellen und deutlichen Verbesserung der Schubsymptomatik.

    • Magnetresonanztomografie (MRT) und Kontrastmittel

      Seit mehr als 20 Jahren werden MRTs auch in der Schwangerschaft angewendet. Bislang wurden keine negativen Auswirkungen auf den Feten beobachtet. Auch Nachuntersuchungen bei 3 und 8-9 jährigen Kindern einschließlich Hör- und Sehtest geben keinen Hinweis auf ein potentielles Risiko.

      Gadolinium haltige Kontrastmittel, die bei MRTs benutzt werden, sind schon kurze Zeit nach Injektion der Mutter sowohl in der Harnblase des ungeborenen Kindes als auch im Fruchtwasser nachweisbar. In einer großen Studie mit 397 Fällen, in denen während der Schwangerschaft eine MRT-Untersuchung mit gadolinumhaltigem Kontrastmittel durchgeführt wurde, wurde die Kontrastmittelgabe mit dem Auftreten von Totgeburten und Todesfällen der Säuglinge wenige Tage nach der Geburt in Zusammenhang gebracht.

      Während der Schwangerschaft sollte auf die Gabe gadolinumhaltiger Kontrastmittel verzichtet werden. Allerdings muss auch nicht jede MRT-Untersuchung zwangsläufig mit Kontrastmittel durchgeführt werden. Während der Einsatz zur Diagnosestellung unerlässlich ist, kann zur reinen Verlaufskontrolle weitestgehend auf die Gabe von Kontrastmittel verzichtet werden und auch nicht jeder klinische Schub muss durch eine kontrastmittelunterstützte MRT-Untersuchung gesichert werden (siehe auch KKNMS Stellungnahme).

      Aus tierexperimentellen Studien und vereinzelten Fallberichten ist bekannt, dass gadolinumhaltige Kontrastmittel in einem sehr geringen Maße in die Muttermilch übergehen können. Für den gestillten Säugling wurden Konzentrationen errechnet, die weniger als 1 % der für Neugeborenen empfohlenen Dosierung entspricht. Sollte eine kontrastmittelunterstützte MRT-Untersuchung während der Stillzeit unverzichtbar sein, so erscheint ein Weiterstillen akzeptabel.