Das Thema Schwangerschaft ist für viele MS Patientinnen mit einer Reihe von Fragen verbunden, z.B. im Hinblick auf immunmodulierende Therapien, und oft auch Ungewissheiten bzgl der Herausforderungen der Elternschaft. Vielleicht weniger bekannt ist dass Schwangerschaft im Hinblick auf die Krankheitsaktivität und Schubrisiko einen sehr positiven Effekt hat. Eine erste grossangelegte Studie mit rund 300 schwangeren MS Patientinnen in den 90er Jahren zeigte dass in der Schwangerschaft, insbesondere während der letzten drei Monate, das Risiko einen Schub zu erleiden um 80% im Vergleich zu vor der Schwangerschaft sinkt. Dieser Effekte ist damit stärker als jedes der z.Zt. für MS zugelassenen Medikamente! Dies wurde mittlerweile in einer Reihe weiterer Studien bestätigt. Allerdings ist die Schutzfunktion nicht von Dauer: In den ersten 6 Monaten nach Entbindung steigt nämlich das Schubrisiko wieder an, temporär sogar über das Niveau vor der Schwangerschaft. Trotz dieser starken klinischen Befundlage ist über die biologischen Mechanismen, die zu diesen Veränderungen der Schubrate führen, wenig bekannt.

Wissenschaftler vermuten dass das Immunsystem seine Funktion verändern muss um eine komplikationsfreie Schwangerschaft zu gewährleisten: Da das Kind nur zur Hälfte die genetischen Eigenschaften der Mutter trägt, würde es sonst zu einer “Abstossung” des Fötus kommen, ähnlich wie sie bei Organtransplantationen vorkommen kann. Die genauen Prozesse sind nicht verstanden, es ist aber aufällig dass nicht alle autoimmunen Erkrankungen während der Schwangerschaft besser werden. Patientinnen mit einer anderen Autoimmunerkrankung, dem Lupus erythematodes  z.B. haben in dieser Zeit ein erhöhtes Schubrisiko. Von daher scheint es sich nicht um eine allgemeine Hemmung der Immunfunktion zu handeln, die ja auch im Hinblick auf die Gesundheit der Mutter und damit auch des Kindes z.B. bei der Abwehr von Infektionen nicht günstig wäre. Somit dienen die Veränderungen im Immunsystem vermutlich in erster Linie der erfolgreichen Entwicklung des Kindes und sind eher als “Nebenwirkung” für Patientinnen mit MS auch günstig für einen vorübergehend abgeschwächten Krankheitsverlauf. Gerade dieser “Nebeneffekt” kann allerdings Wissenschaftlern darüber Aufschluss geben, welche Mechanismen für die Entstehung eines MS Schubes verantwortlich sind und wie man auf sie evtl. gezielt therapeutisch einwirken könnte. Erste Versuche, wie man den “Schwangerschaftseffekt” medikamentös nachahmen könnte, sind in den USA bereits erfolgreich angelaufen. So konnte etwa in einer kleinen Studie an der Universtiät von Kalifornien in Los Angeles die Gabe des Schwangerschaftshormons Oestriol die Zahl von Läsionen im Kernspin, die Kontrastmittel speichern bei von MS Patientinnen vermindern. Noch wissen wir allerdings zu wenig über die genauen Mechanismen im Immunsystem die während der Schwangerschaft wirken. Daher führen Wissenschaftler und Aerzte am Institut für Neuroimmunologie und Klinische MS-Forschung (inims) der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (UKE) zur Zeit eine Studie zu Veränderungen im Immunsystem während der Schwangerschaft durch.

Diese Studie hat zum Ziel, sowohl die schützenden Effekte der Schwangerschaft bei MS-Patientinnen besser zu verstehen, sowie Aufschluss darüber zu bekommen welche biologischen Prozesse das erhöhte Risiko von MS Schüben nach der Schwangerschaft verursachen könnten. Die Studie ist in ein umfassendes medizinischen Betreuungsangebot eingebettet, an dem sowohl die Fachärzte der Neurologischen Klinik als auch der Geburtshilflichen Abteilung des UKE beteiligt sind. Hier können nicht nur Fragen bzg.l Immuntherapien, Stillen usw. kompetent beantwortet werden sondern durch die enge medizinische Betreuung auch schnell auf einen eventuellen Schub nach der Geburt reagiert werden.

Im Rahmen der Studie werden die Patientinnen gebeten zu vier Zeitpunkten in die Universität Hamburg zu einer Untersuchung zu kommen: Zwischen der 8. und 10. Schwangerschaftswoche (SSW), der 22. und der 24. SSW, der 32.-34. SSW, sowie 3 Monate nach der Geburt. Jeder dieser Termine wird in etwa zweieinhalb Stunden in Anspruch nehmen. Neben einer Blutprobe wird eine umfassende neurologische Untersuchung durchgeführt. Außerdem sollen Testungen der Gedächtnisleistung und Merkfähigkeit sowie Fragebögen zum Befinden ausgefüllt werden.

Patientinnen die sich für eine Teilnahme an der Studie interessieren können sich im UKE in der MS-Ambulanz 040-7410-54076 oder über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Fragen zur Teilnahmemöglichkeit in Bochum über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.